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Kategorie: Monthlitor (Seite 1 von 6)

Monthlitor Januar 2021

Zum Jahresende zeigen zwei Immobilienmarkt-Indikatoren eine weitere Aufwärtsbewegung – so ganz erreicht ist das Niveau vom Jahreswechsel 2019/20 jedoch noch nicht ganz.

Der Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (DIFI) stieg leicht, blieb dabei jedoch im negativen Bereich. Die Befragungsteilnehmer werten die aktuelle Finanzierungssituation mit knapp -30 Punkten ein. Das liegt auf halbem Weg zwischen dem Tiefstand bei ca. -60 Punkten im Q2/2020 und typischen Niveau um +/-0 Punkte in den Jahren 2018/19. Die Finanzierungserwartungen haben sich hingegen schon wieder dort eingependelt, wo sie vor dem (ersten) Lockdown waren, d.h. bei um die -20 Punkte. Eher positiv eingeschätzt wird das Finanzierungsklima für Wohnen und Logistik, deutlich negativ für Hotel und Einzelhandel.

Diese Objektarten (beim Einzelhandel allerdings nur bezogen auf den nicht lebensmittelgeankerten) werden auch hinsichtlich laufender Engagements, wie die zugehörige Sonderumfrage nahelegt. Die Teilnehmer sehen überwiegend einen hohen bis sehr hohen Einfluss der Corona-Krise auf die Kreditfähigkeit der Kreditnehmer. Während derzeit bei Non-Performing Loans eher die Strategie „Zuwarten“ gesehen wird, wird auf Sicht von zwölf Monaten vor allem der Lösungsansatz „Restrukturieren“ gesehen.

Der ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) verbesserte sich ebenfalls gegenüber dem Stand Mitte 2020, ohne wieder das Niveau der Vorjahre erreicht zu haben. Im Gegensatz zum DIFI ist dies hier allerdings der Lageeinschätzung zuzuschreiben, denn der Teilindex für die Erwartungen liegt höher als noch 2018/19. Von den Bestandshaltern  werden wieder zunehmend steigende Immobilienwerte erwartet, und nun auch wieder eher ansteigende Mieten. Hingegen erreicht nun erstmalig der Anteil der Projektentwickler, die von abnehmenden Vorvermietungen ausgehen, knapp die 50%-Marke.

Monthlitor Dezember 2020

Beim vdp-Immobilienindex Q3/2020 zeigten sich seit dem Lockdown unterschiedliche Trends bei Wohnen und Gewerbe – während die Kapitalwerte von Wohnimmobilien weiter anstiegen, stagnieren die Kapitalwerte von Büros und Einzelhandelsobjekten bestenfalls. Wie blicken die Immobilienakteure also in die Zukunft?

Die Erläuterungen zum Deutsche Hypo Recox Q3-2020 heben hervor, dass die deutsche Immobilienkonjunktur schon wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht hat. Bei keinem der weiteren betrachteten europäischen Märkten ist das bisher der Fall. Von den Akteuren auf dem deutschen Immobilienmarkt wird allerdings eher Zurückhaltung berichtet: Sowohl auf der Ebene der Entwickler und Investoren (Planänderungen) als auch der Immobiliennutzer (halbiertes Vermietungsvolumen gegenüber 2010). Insgesamt: „Der langanhaltende positive Zyklus auf dem Immobilienmarkt ist angeschlagen.“

Der pbbiX 3. Quartal 2020 für die deutschen TOP 7-Bürostandorte verzeichnet hingegen ein neues Tief bezogen auf die Zeit seit der Finanzkrise; Haupttreiber waren die Rückgänge bei Investments (-22% ggü. Q1-3/19) und Vermietung (-43% ggü. Q1-3/19). Die Leerstandsquote stieg wieder etwas an, nachdem sie seit 2011 stetig gesunken war. Bei den Nettoanfangsrenditen kam es zu einer Stagnation auf niedrigem Niveau, was bei stabilen Mietsätzen auch stabile Priese bedeutete. Wie beim Recox wird die weitere Entwicklung mit vom weiteren Verlauf der Pandemie und ihrem Management abhängig gesehen.

Den Blick über Corona hinaus wirft das BF.Quartalsbarometer Q4/2020: Im Editorial verweist Prof. Dr. Steffen Sebastian auf die neue europäische ESG-Regulierung und die letzte Etappe von Basel III, die beide Auswirkungen auf Immobilieninvestoren und -finanzierer haben dürfte. Der Stimmungsindex selbst blieb auf dem Niveau des Vorquartals. Gleichzeitig stiegen die Margen leicht bei sinkenden LTVs bzw. LTCs. Trotzdem scheint Skepsis zu überwiegen, die – s.o. – mit dem erhöhten Risiko im fortgeschrittenen Immobilienzyklus begründet wird.

Die Corona-Pandemie könnte also, so der Tenor, ein eher kurzfristiger Schock bleiben, der aus Immobiliensicht zu großen Teil schon verarbeitet wurde. Durch sie wird zugleich das Risiko dieser Phase des Immobilienzyklus‘ deutlicher sichtbar. Insgesamt geben diese drei Marktberichte ein weniger optimistisches Stimmungsbild wieder, zumindest für gewerbliche Objekte.

Monthlitor November 2020

Erleben wir gerade eine Immobilien(preis)blase? Die Deutsche Bundesbank spricht in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2020 mehrfach Rückschlagrisiken auf dem Immobilienmarkt an – auch wenn sie feststellt, dass Corona bisher nur wenig Einfluss auf die Entwicklung in Form von eingeschränktem Angebot und Nachfrage hatte.

Die Deutsche Bundesbank sieht gewerbliche Objekte und damit auch ihre Finanzierungen skeptisch: „Die Corona-Pandemie dürfte sich negativ auf den deutschen Gewerbeimmobilienmarkt auswirken“. Grund dafür ist in erster Linie die übliche Entwicklung des Immobilienmarktes entlang der allgemeinen Konjunktur. Zusätzlich werden strukturelle Herausforderungen genannt, insbesondere durch Homeoffice und Onlinehandel.

Bei Wohnimmobilien droht gemäß Deutscher Bundesbank keine akute Gefahr, da sich die Kreditstandards der Banken im Vorfeld der Pandemie nicht gelockert hatten und die privaten Haushalte relativ gering verschuldet sind. Höhere Ausfallraten sind bei Wohnkrediten noch nicht zu registrieren. Das fortgesetzte Preiswachstum könnte jedoch bei einem schwachen Arbeitsmarkt dazu führen, dass ein Preisrückgang um so schmerzlicher wird, weil die Erlöse bei einer Sicherheitenverwertung nicht ausreichen.

Eine Aussage zum Bewertungsniveau bei Wohnobjekten findet sich nicht im Finanzstabilitätsbericht, jedoch im Monatsbericht vom Oktober 2020 (S. 67-87):

In der Gesamtschau der Indikatorenergebnisse und unter Berücksichtigung der erheblichen Unsicherheit, der die Bewertungsansätze unterliegen, waren Wohnimmobilien im bundesweiten Durchschnitt im Jahr 2019 um bis zu 20 % überbewertet. […] Eine abrupte Korrektur der Wohnimmobilienpreise zeichnet sich indes – sofern es zu keiner gravierenden Störung der laufenden gesamtwirtschaftlichen Erholung kommt – nicht ab.

Die zu Grunde liegende Analyse wird ausführlich dargestellt und ist eine Lektüre wert, auch hinsichtlich Datenlage und Wirkungszusammenhängen.

Mit der fundamentalen und tatsächlichen Bewertung von Wohnimmobilien beschäftigt sich auch der empirica Blasenindex III/2020. Dieser Indikator stieg weiter, vor allem wegen höherer Vervielfältiger und Fertigstellungszahlen. Das Rückschlagpotenzial sieht empirica nun bei 25% deutschlandweit und sogar 43% in den TOP-7-Städten.

 

Monthlitor Oktober 2020

Erste Effekte aus dem Corona-Lockdown zeigten die jüngsten Indikatoren zum Immobilienmarkt im 2. Quartal 2020. Für das 3. Quartal kamen in den letzten Wochen drei Stimmungsindikatoren heraus:

Der ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex 3. Quartal 2020 sah zwar eine leichte Verbesserung, hat damit dem Einbruch im Frühling bei Weitem noch nicht aufgeholt. Schwierigkeiten drohen demnach vor allem in den Segmenten Büro und Einzelhandel von Seiten des Mietmarktes, während das Segment (Miet-)Wohnen „nahezu unbeeindruckt vom aktuellen Corona-Geschehen“ ist. Die Herausforderungen aus der Vor-Lockdown-Zeit wie etwa die Mietpreisbremse bestehen in diesem Segment allerdings fort.

Bei dieser Erhebung wurde die Unternehmensvertreter zudem nach der Betroffenheit durch verschiedene Lockdown-Effekte gefragt. Von Stundungen sind demnach ungefähr drei Viertel der antwortenden Immobilien-Bestandshalter betroffen:

Weitere Effekte des Corona-Lockdown bzw. die derzeitige Entwicklung wurden wie folgt beurteilt:

  • Umsatzentwicklung: 16% stark betroffen / 48% gering betroffen
  • Steigerung operative Kosten: 3% stark betroffen / 59% gering betroffen
  • Steigerung Finanzierungskosten: 18% stark betroffen / 34% gering betroffen
  • Sinkendes Neuvermietungsgeschäft: 6% stark betroffen / 46% gering betroffen
  • Mietvertragskündigungen: 0% stark betroffen / 44% gering betroffen

Zunehmende Finanzierungskosten stellt dann auch das BF.direkt Quartalsbarometer Q3/2020 fest. Gegenüber Q3/2019 sind die typischen Neugeschäftsmargen um fast 20 Basispunkte gestiegen, und zwar bei einem nur leicht um ca. einen Prozentpunkt gesunkenen Durchschnitts-LTV (Loan-to-Value). Letztere Entwicklung ist allerdings mit Vorsicht zu betrachten, denn auf den LTV im Neugeschäft haben mehrere Dinge einen Einfluss. Die höhere Marge führte allerdings nicht zu einer besseren Stimmung bei den Finanzierern:

„Die Stimmung unter den gewerblichen Immobilienfinanzierern liegt bereits seit längerer Zeit in einem negativen Bereich, welcher mit einer restriktiven Kreditvergabe beschrieben wird. Die Einschätzung steht hierbei nicht für eine geringe Verfügbarkeit von Geld im Markt, sondern ist mit dem steigenden Risiko des fortgeschrittenen Immobilienzyklus sowie aktuell der Corona-Krise zu begründen.“

Auch beim Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (DIFI) für das 3. Quartal 2020 zeigt sich eine pessimistische Grundstimmung. Insgesamt ging es zwar auch bei diesem Indikator leicht aufwärts, die Beurteilung änderte sich aber nicht grundlegend: Die Situation wird für Hotels und Einzelhandel immer noch schlecht eingeschätzt, etwas weniger schlecht sieht es für Büros aus, bei Logistik und Wohnen stehen die jeweiligen Teilindices immerhin im neutralen Bereich. Hinsichtlich der Refinanzierung hat sich die die Stimmung bezüglich Einlagen etwas aufgehellt und liegt nun in etwa gleichauf mit der für Pfandbriefe, also im neutralen Bereich. Bei unbesicherten Mittel, Verbriefungen und Aktienmärkten liegen die Stimmungsindikatoren hingegen deutlich im negativen Bereich.

Monthlitor September 2020

Im August trafen einige Immobilienmarktindikatoren für das 2. Quartal 2020 ein. Der aktuelle pbbiX, ein Index für deutsche Büroimmobilien, sank zum zweiten Mal in Folge; die Deutsche Pfandbriefbank schließt aus dem erreichten Niveau, dass sich der Büromarkt an der Grenze von Expansion und Rezession bewegt. In Gegensatz dazu stieg der Deutsche Hyp REECOX im 2. Quartal für Deutschland (wieder) an. Bei den anderen betrachteten europäischen Länder war dies nicht der Fall.

Diese beiden Indizes sind als Indikatoren für die jeweiligen Märkte konzipiert. Tatsächliche Wertentwicklungen gibt der vdp-Immobilienpreisindex wieder. Für das 2. Quartal 2020 ergaben sich folgende Ergebnisse im Vergleich zum 2. Quartal 2020:

  • Wohnimmobilien, selbst genutzt: +6,8% (in den TOP 7: +4,6%)
  • Mehrfamilienhäuser: + 5,2% (in den TOP 7: +2,3%)
  • Büro- und Verwaltungsgebäude: 6,3%
  • Einzelhandelsimmobilien: -1,3%

Während sich bei eigengenutzten Wohnobjekten der bisherige Trend unvermindert fortsetzte, stiegen die Werte bei Mehrfamilienhäusern nur noch leicht. In beiden Segmenten war die Dynamik in den TOP 7-Städten geringer als außerhalb. Die positive Jahresveränderung bei Büroobjekten wird noch von den starken Vorquartalen getragen, während vom 1. auf das 2. Quartal 2020 ein leichter Wertrückgang – parallel zu gesunkenen Neuvertragsmieten – zu verzeichnen war.

Wie unverminderte Preisdynamik bei den selbst genutzten Wohnimmobilien zeigt sich auch auf Monatsbasis beim Europace EPX. Auf Jahressicht weisen hier bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser mit +12,4% den höchsten Preiszuwachs auf, während für Neubau-Häuser um „nur“ +8,4% höhere Preise gesehen werden.

Monthlitor August 2020

Die aktuellen Stimmungsindikatoren zeigen sich wie bereits im Vormonat für die weitere Entwicklung der Gesamtwirtschaft optimistisch. Speziell auf die Immobilienwirtschaft bezogene Stimmungsindikatoren, insbesondere für das gewerbliche Segment, stehen erst wieder im August an.

Statt Stimmungsdaten trafen im Juli Performancedaten ein. Für Wohnimmobilien verzeichnete der Hauspreis-Index EPX von Europace einen weiteren Anstieg entsprechend dem bisherigen Trend. Deutlich weniger dynamisch entwickelten sich Büroimmobilien in den TOP 7: Gemäß Victor von JLL brachte Q2/2020 einen Performance von +1,2% gegenüber dem Vorquartal. Gegenüber dem Vorjahresquartal Q2/2019 liegt die Performance bei 12,2%, resultierend aus einer Cashflowrendite von 3,0% und einer Wertänderungsrendite von 9,2%. Das 2. Quartal 2020 dürfte daher vor allem vom Cashflow und nur zum geringen Teil noch von Wertveränderungen getragen worden sein.

Auf einen längeren Zeitraum blickt eine aktuelle Studie des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp): Wie hat sich zwischen 2010 und 2019 das Immobilienfinanzierungsgeschäft entwickelt? War es mit den Marktaktivitäten im Einklang?

Zusammengefasst attestiert die Studie für Deutschland ein stabiles Verhältnis der Darlehensauszahlungen zum kombinierten Bau- und Transaktionsvolumen.  Bei Wohnimmobilien lag dieser Quotient, also der typische Fremdmittelanteil, im Schnitt bei 51%, bei Gewerbeimmobilien etwas höher bei 54%. Für Wohnimmobilien lag sein Höchstwert bei 55% im Jahre 2015, während der Quotient 2019 auf 52% fiel. Für Gewerbeimmobilien lag das Maximum bei 60% im Jahre 2016, der typische Fremdmittelanteil betrug 2019 nur noch 50%.

Die Darlehensauszahlungen betrafen im Wohnsegment stabil zu circa einem Viertel den Neubau. Kreditablösungen verloren zwischen 2010 und 2019 an Bedeutung: Ihr Anteil sank von 14% auf 7%. Zugelegt hat der Anteil von Darlehensauszahlungen für den Erwerb bestehender Wohnimmobilien; hier fließen allerdings auch Kredite zur Modernisierung und Instandhaltung ein, also etwa auch für Energetische Sanierungen.

Monthlitor Juli 2020

Schlimmer kann es einfach nicht werden – dieser Eindruck drängt sich beim Blick auf die Stimmungsindikatoren auf. Aktuell (d.h. Auswertungen per 6/2020 oder 7/2020) haben sich die zukunftsbezogenen Indikatoren deutlich von ihrem Tiefstand Mitte des ersten Halbjahres gelöst. Da mag auch daran liegen, dass es vom momentanen Lage-Niveau wohl nur noch aufwärts gehen kann:

Index Frequenz Ende 2019 Tief 2020 Aktuell Neutral
ifo Geschäftsklima: Erwartung Monat 93,3 69,5 91,4 100,0
ZEW Konjunkturerwartungen Monat -2,1 -49,5 63.4 0,0
Economic Sentiment Index Monat 101,3 64,9 75,7 100,0
Investor Confidence Index Monat 79,7 73,0 94,3 100,0
Immobilienstimmungsindex: Erwartung Quartal -9,0 4,3 4,3 0,0
Deutscher Immobilienfinanzierungsindex Quartal -20,8 -52,6 -52,6 0,0

Zur Stimmung am Immobilienmarkt gibt es leider nur quartalsweise Indexreihen, so dass ein Vergleich mit den monatlichen allgemeinwirtschaftlichen Indices nur sehr begrenzt möglich ist.

Der ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex zeigt insgesamt einen leicht positiven Indikatorwert. Dabei stehen im Detail jedoch positive Erwartungen der Projektentwicklungen den negativen Erwartungen der Bestandshalter gegenüber. Letzteres gilt für alle Nutzungsarten einschließlich Wohnen. Über alle Segmente hinweg wird die aktuell Lage allerdings noch relativ positiv eingeschätzt.

Der Deutsche Immobilienfinanzierungsindex von JLL und ZEW weist per Q2/2020 nicht nur bei der Zukunftserwartung, sondern auch hinsichtlich der aktuellen Lage einen deutlich negativen Indexwert aus. Den stärksten Rückgang in der Markteinschätzung verzeichneten die Nutzungsarten Büro und Hotel. Die Umfrage erhebt jeweils im 2. Quartal eines Jahres die LTVs und Margen in aktuellen Neugeschäft: Während die LTVs gegenüber den Vorjahren relativ konstant blieben (dabei ist die Behandlung des aktuellen „V“ jedoch unklar), gab es bei den Margen – außer bei Wohnfinanzierungen – einen klaren Aufwärtstrend, jeweils um mehrere Dutzend Basispunkte. Allerdings dürften dem gerade höhere Refinanzierungs- und Risikokosten gegenüberstehen.

Monthlitor Juni 2020

Wie schon im Mai zeigen sich die Marktindikatoren derzeit zweigeteilt. Die allgemeinwirtschaftlichen Stimmungsindikatoren befinden sich überwiegend im pessimistischen Territorium. Eine Ausnahme stellen die ZEW-Konjunkturerwartungen dar, die im zweiten Monat in Folge deutlich positiv waren; der zugehörige Lageindikator blieb allerdings klar negativ.

Ist es auf dem Immobilienmarkt nur der zeitliche Abstand zwischen Verhandlung und Transaktion, so dass sich in den aktuellen Daten noch die Vor-Corona-Zeit zeigt? Für Q1/2020 berichtet der vdp jedenfalls von kontinuierlich gestiegenen Werten und Mieten. Der VICTOR von Jones Lang LaSalle stieg gegenüber Q4/2019 immerhin noch um 0,7%.

Einen Rückgang für Q1/2020 verzeichneten der REECOX der Deutschen Hypo und der pbbIX der Deutschen Pfandbriefbank. Diese beruhen allerdings auf mehreren Indikatoren für die Immobilienkonjunktur, etwa den Aktienkursen (REECOX) oder dem realen Bruttoinlandsprodukt (pbbIX), so dass hier letztlich die allgemeinwirtschaftliche Stimmung widergespiegelt wird. Diese in den Indikator aufzunehmen deutet insofern darauf hin, dass ihnen von den Index-erstellenden Banken Relevanz für den Immobilienmarkt zugeordnet wird.

Beim monatlichen EPX hedonic von Europace war in April jedoch keine Abflachung, geschweige denn eine Trendwende zu erkennen. Dies kann rein technisch am erwähnten Zeitaspekt liegen. Der hierin ausschließlich abgebildete Trend bei den Wohnimmobilienpreisen (ohne Mehrfamilienhäuser) könnten auch tatsächlich am ehesten unberührt ins „neue Normal“ übergehen, zumindest in den bisher schon gefragten Gegenden und Lagen.

Monthlitor Mai 2020

Welche Auswirkungen hat der Corona-Lockdown auf den Immobilienmarkt? Zum einen stellt sich die Frage, wann Auswirkungen in den wichtigsten monatlichen und quartalsweisen Datenreihen zu sehen sind, zum anderen beschäftigt die Frage, was die langfristigen Folgen sein werden.

Besonders schnell reagieren die Stimmungsindikatoren. Das BF.Direkt Barometer Q1/2020 für die gewerbliche Immobilienfinanzierung zeigte einen deutlichen Einbruch. Die weiteren immobilienwirtschaftlichen Indikatoren zum 1. bzw. 2. Quartal werden erst später veröffentlicht. Monatliche Stimmungsbilder beziehen sich nur auf die Gesamtwirtschaft. Während der ifo-Geschäftsklimandex im April weiter einbrach, schnellten die ZEW-Konjunkturerwartungen per Mai (Umfragezeitraum allerdings 7.-20. April) deutlich in den positiven Bereich zurück.

Der monatliche Europace-Hauspreisindex EPX registrierte für den März weiter steigende Kaufpreise. Der empirica-Blasenindex verzeichnete für Q1/2020 eine weiter leicht zunehmende Blasengefahr. Eine Teilaspekt für diese Einschätzung stellt die Verschuldung dar, gemessen mit dem Baukreditvolumen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Wenn Letzteres auf Grund des Corona-Lockdown zurückgeht, wird auch – ceteris paribus – die so abgeschätzte Blasengefahr steigen.

Dies bringt uns zu den mittel- bis langfristigen Konsequenzen. Der Immobilienmarkt dürfte noch einige Zeit mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdown beschäftigt sein. Hierzu gehören etwa die gestiegenen Mietausfälle; für Wohnimmobilien berichtet Haus&Grund von einer Umfrage, der zufolge 6,9% der befragten Mieter ihre Miete nicht mehr zahlen können (normal wären 2,0% bis 2,5%) . Vom Bürovermietungsmarkt berichtet JLL von einer Zäsur in der zweiten Märzhälfte, allerdings war das Marktgeschehen bereits vorher rückläufig; der Leerstand stabilisierte sich auf niedrigem Niveau (ca. 3% in den Big-7). Deka sieht Herausforderungen vor allem für Hotel- und Handelsimmobilien. Für Büroimmobilien werden steigende Leerstände und ein Abwärtsdruck auf die Mieten gesehen, und auch Wohnimmobilien könnten von fallenden Einkommen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Hinsichtlich des Investment- und Finanzierungsgeschehens erwartet JLL, dass die Unsicherheit über das „New Normal“ eine Preisfindungsphase zur Folge hat. Logistik- und Gesundheitsimmobilien wären für defensive Investoren interessant, aber auch insgesamt wird kein Grund gesehen, warum sich der Trend zu einem höheren Portfolioanteil von Immobilien umkehren sollte. Deka weist allerdings darauf hin, dass der Kursverfall bei Aktien dazu führen könnte, dass die Immobilienquote bei Multi-Asset-Portfolios über die Zielmarke gestiegen ist, erwartet allerdings dadurch keinen Verkaufsdruck.

Monthlitor April 2020

Die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren, in der Grafik links, zeigen schon einen Corona-Effekt; die immobilienwirtschaftlichen Indikatoren, in der Grafik rechts, zeigen ihn (noch?) nicht.

Zuerst die Gesamtwirtschaft: Der ifo-Geschäftsklimaindex brach im März 2020 von 96,0 auf 86,1 Punkte ein; typisch sind Monatsschwankungen von einem Punkt. Während die Lageeinschätzung „nur“ von 99,0 auf 93,0 fiel, stürzten die Erwartungen von 93,1 auf 79,7 ab. Der ZEW-Finanzmarkttest hatte bereits im Vormonat nachgegeben, der seinerzeit schon mit dem Coronavirus begründete Rückgang um 18 Punkte wurde vom aktuellen Indexverlust um 58,2 Punkte bei weitem übertroffen. Ein ähnliches Bild gibt sich bei quasi allen allgemeinen Indikatoren. Die Europäische Kommission weist in ihrem Bericht zum Economic Sentiment Index zudem darauf hin, dass das Erheben der Daten erschwert war („… there are considerable differences across countries as to when the fieldwork effectively stalled due to containment measures enacted to combat the spread of the virus“).

Und die Immobilienwirtschaft? Preisdaten für den März sind noch nicht verfügbar, und die aktuellen Stimmungsindikatoren stammen normalerweise noch aus der Zeit vor dem Lockdown. Der Immobilienindex des IW Köln stieg sogar im 1. Quartal 2020 leicht gegenüber dem Vorquartal. Nahezu stabil blieb der Deutsche Immobilienfinanzierungsindex. Dieser zeigte im 1. Quartal 2020 sogar eine merklich verbesserte Einschätzung für das Teilsegment Einzelhandel. Mit dem Lockdown dürfte sich dies jedoch bis zur nächsten Indexausgabe ändern, wenn es zu Insolvenzen (z.B. Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von Vapiano) oder Mietrückbehalt kommt (beachtlich: die Entschuldigung von Adidas). Die Möglichkeit, Miete wegen der Corona-Pandemie zurückhalten zu können, ohne dass es zur Vertragskündigung kommen kann, gehört zum aktuellen gesetzlichen Maßnahmenpaket.

Eine Rezession wird 2020 wohl unvermeidbar sein. Selbst, wenn Konsum nach dem nachgeholt werden sollte, kann dies für einige Mieter zu spät sein. Einen Nachholeffekt wird es zudem nicht überall geben, sie sind zumindest für Reisen (Messen, Urlaub) und Restaurantbesuche schwer vorstellbar. Ermunternd ist zumindest das aktuelle Umfrageergebnis von PropertyMetrics, demnach US-amerikanische Immobilieninvestoren mehrheitlich ihr Investmentvolumen nicht ändern wollen. Und Professor Tobias Just weist im IREBS-Standpunkt 88 auf hin: „In keinem dieser Länder [= Singapur, Korea und Japan] wurden Immobilien dauerhaft als Anlageklasse in Frage gestellt, nachdem SARS oder MERS in Asien grassierten“. Corona kann jedoch dazu führen, dass sich bestehende Trends wie hin zum Home Office und zum Online-Einkauf verstärken.

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