Bei den Immobilienfinanzierern herrscht schlechte Stimmung: Das BF-Quartalsbarometer Q3|2022 fiel auf ein neues Allzeit-Tief von -16,91 Punkten. Damit wurde selbst der Indexstand vom Q2/2020 noch unterboten. Vier Fünftel der Befragten berichteten, dass die Finanzierungsbedingungen gegenüber dem Vorquartal restriktiver geworden sind. Bei allen erfassten Instituten wird die Kreditentscheidung nun überwiegend oder eher von der Risikoabteilung getroffen.

Pendelte der typische Loan-to-Value in den letzten Quartalen noch um 66% bis 67%, sank dieser nun auf unter 64%. Falls die Immobilienpreise nicht mehr stiegen, also der Kennzahl-Nenner „Value“, bedeutet dies eine merkliche Reduktion des Kreditvergabevolumens. Das „falls“ ist der Verzögerung geschuldet, mit der Preisinformationen bekannt werden: Der vdp sah für Q2/2022 noch keinen Preisrückgang, beim EPX von Europace gab es ab Juni/Juli 2022 ein Abweichen vom bisherigen Wachstumspfad. Die erneute Leitzins-Erhöhung der EZB vom 8. September um 75 Basispunkte dürfte jedenfalls über Refinanzierungskosten und Renditeanforderungen eher dämpfend auf die weitere Preisentwicklung wirken.

Mit dem REECOX 02-2022 ist ein weiterer Indikator für die Immobilienkonjunktur erneut gefallen. Im begleitenden Kommentar wird „die Stimmung an den Immobilienmärkten [vor dem Hintergrund von Ukraine-Krieg, Inflation, Rezessionssorgen, steigenden Zinsen, hohen Baukosten und Lieferkettenproblematik] noch als ’surreal‘ gut“ eingestuft.

Eine positive Entwicklung sieht hingegen die Deutsche Pfandbriefbank mit dem pbbiX 2022|Q2 für den deutschen Büromarkt: Der Indikator wechselte in den auf Wachstum hindeutenden Bereich. Als Hauptgrund wird dabei die „stark anziehende Flächennachfrage und steigende Mieten“ genannt, während bei „überschaubaren“ Leerständen wenig neu gebaut wird. Auch JLL ermittelte für den VICTOR Q2 2022, dass steigende Büromieten den Anstieg der Renditen ungefähr kompensiert haben. Dieser Effekt dürfte auch zukünftig relevant sein, denn die EZB-Zinserhöhungen erfolgten als Reaktion auf die klar über dem Zielniveau von 2% liegende Inflationsrate, und gerade im gewerblichen Bereich sind Mietsätze oft an die Inflationsrate gekoppelt.