Die Schere zwischen Wohn- und Gewerbeimmobilienpreisen geht auseinander: Danach sieht es jedenfalls beim Blick auf den aktuellen vdp-Immobilienpreisindex Q3/2020 aus. Während die Kapitalwerte von Wohnimmobilien kontinuierlich anwachsen, haben jene von Gewerbeimmobilien den jahrelangen Auswärtstrend seit dem Frühjahres-Lockdown unterbrochen:

Quelle: vdpResearch GmbH /
Verband deutscher Pfandbriefbanken e.V. (www.pfandbrief.de)

Die Kapitalwerte für Wohnimmobilien legten auf Jahressicht (Q3/19 auf Q3/20) um 7,1% zu; darin tragen die letzten sechs Monate +3,4% bei, also ungefähr die Hälfte. Bei diesem Indexanstieg handelt es sich allerdings um einen hedonischen Index, d.h. die Gebäudealterung wird herausgerechnet.

Bei Betrachtung der deutschen TOP 7-Standorte fällt zudem auf, dass hier ein geringerer Wertanstieg als insgesamt verzeichnet wurde: Hier stiegen die Wohn-Kapitalwerte auf Jahressicht um 3,8%, auch hier ohne Alterungseffekt. Getragen wurde dieser Anstieg vor allem vom Segment der Eigentumswohnungen, weniger von Ein-,Zwei- und Mehrfamilienhäusern. Die Neuvertragsmieten stiegen im gleichen Zeitraum erneut geringer, nämlich um 1,8%.

Die Kapitalwerte von Gewerbeimmobilien veränderten sich auf Jahressicht um insgesamt +2,6%; in den letzten sechs Monaten lag allerdings mit -0,3% ein leichter Rückgang der Preise vor. Bezogen auf dieses letzte Halbjahr stagnierten Bürowerte mit +/-0% Veränderung, die Neuvertragsmieten gingen parallel leicht um -0,1% zurück. Bei Einzelhandelsobjekten kam es in der gleichen Zeit zu einem Kapitalwert-Rückgang von -0,9%. Diese Tendenz ist allerdings nicht ganz neu, sondern lag im 2018 beginnenden Abwärtstrend.

Weiter differenzierte Datenreihen sind leider nicht öffentlich verfügbar. So dürfte es bei Einzelhandelsimmobilien Unterscheide zwischen z.B. Fachmärkten und Kaufhäusern gegeben haben. Logistik- und Hotelimmobilien sind im Gewerbepreisindex nicht enthalten, entsprechend auch nicht die Lockdown-Effekte auf diese Objektarten.

Mit diesen Quartalsdaten entwickelt sich das Bild von den Auswirkungen des Corona-Virus auf den Immobilienmarkt. Trotzdem sind es bisher nur zwei Quartale, in denen sich die möglichen strukturellen Veränderungen niederschlagen konnten. Es ist noch nicht ausgemacht, ob diese entstandene Schere weiter aufgeht: Zum einen, weil sich der Gewerbemarkt genau so schnell wieder erholen könnte, wie er jetzt seinen bisherigen Pfad verlassen hat. Zum anderen, weil sich eine mögliche nachhaltige konjunkturelle Abkühlung über den Arbeitsmarkt auch auf das private Investmentverhalten auswirken dürfte.

Die weitere Entwicklung hängt also insbesondere davon ab, inwieweit die Allgemeinwirtschaft Corona wegsteckt. Das ist natürlich nichts Neues – legt aber nahe, dass die Schere eher nur kurzfristig auseinander gehen könnte, so oder so.