Welche Auswirkungen hat der Corona-Lockdown auf den Immobilienmarkt? Zum einen stellt sich die Frage, wann Auswirkungen in den wichtigsten monatlichen und quartalsweisen Datenreihen zu sehen sind, zum anderen beschäftigt die Frage, was die langfristigen Folgen sein werden.

Besonders schnell reagieren die Stimmungsindikatoren. Das BF.Direkt Barometer Q1/2020 für die gewerbliche Immobilienfinanzierung zeigte einen deutlichen Einbruch. Die weiteren immobilienwirtschaftlichen Indikatoren zum 1. bzw. 2. Quartal werden erst später veröffentlicht. Monatliche Stimmungsbilder beziehen sich nur auf die Gesamtwirtschaft. Während der ifo-Geschäftsklimandex im April weiter einbrach, schnellten die ZEW-Konjunkturerwartungen per Mai (Umfragezeitraum allerdings 7.-20. April) deutlich in den positiven Bereich zurück.

Der monatliche Europace-Hauspreisindex EPX registrierte für den März weiter steigende Kaufpreise. Der empirica-Blasenindex verzeichnete für Q1/2020 eine weiter leicht zunehmende Blasengefahr. Eine Teilaspekt für diese Einschätzung stellt die Verschuldung dar, gemessen mit dem Baukreditvolumen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Wenn Letzteres auf Grund des Corona-Lockdown zurückgeht, wird auch – ceteris paribus – die so abgeschätzte Blasengefahr steigen.

Dies bringt uns zu den mittel- bis langfristigen Konsequenzen. Der Immobilienmarkt dürfte noch einige Zeit mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdown beschäftigt sein. Hierzu gehören etwa die gestiegenen Mietausfälle; für Wohnimmobilien berichtet Haus&Grund von einer Umfrage, der zufolge 6,9% der befragten Mieter ihre Miete nicht mehr zahlen können (normal wären 2,0% bis 2,5%) . Vom Bürovermietungsmarkt berichtet JLL von einer Zäsur in der zweiten Märzhälfte, allerdings war das Marktgeschehen bereits vorher rückläufig; der Leerstand stabilisierte sich auf niedrigem Niveau (ca. 3% in den Big-7). Deka sieht Herausforderungen vor allem für Hotel- und Handelsimmobilien. Für Büroimmobilien werden steigende Leerstände und ein Abwärtsdruck auf die Mieten gesehen, und auch Wohnimmobilien könnten von fallenden Einkommen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Hinsichtlich des Investment- und Finanzierungsgeschehens erwartet JLL, dass die Unsicherheit über das „New Normal“ eine Preisfindungsphase zur Folge hat. Logistik- und Gesundheitsimmobilien wären für defensive Investoren interessant, aber auch insgesamt wird kein Grund gesehen, warum sich der Trend zu einem höheren Portfolioanteil von Immobilien umkehren sollte. Deka weist allerdings darauf hin, dass der Kursverfall bei Aktien dazu führen könnte, dass die Immobilienquote bei Multi-Asset-Portfolios über die Zielmarke gestiegen ist, erwartet allerdings dadurch keinen Verkaufsdruck.