Ist die Immobilienwirtschaft virusanfällig? Die Konjunkturerwartungen brachen gemäß ZEW jedenfalls wegen der Furcht vor negativer Auswirkungen des Coronavirus deutlich ein. Die jüngste Erhebung zur Stimmung in der Immobilienwirtschaft ist das BF-Quartalsbarometer, hier fand die Befragung allerdings schon zu Beginn des 1. Quartals statt. Der Barometerstand war demnach quasi unverändert zum Vorquartal im negativen Bereich.

Die anderen aktuellen Veröffentlichungen zur Immobilienkonjunktur beziehen sich auf das 4. Quartal 2019 und berichten einstimmig von einer verbesserten Lage am deutschen Markt. Der Deutsche Hypo REECOX 04-2019 und der pbbIX 2019 Q4 der Deutschen Pfandbriefbank sahen beide eine positive (Gesamt- bzw. Büro-)Marktentwicklung im letzten Quartal 2019.

Bezogen auf BIG 5-Büroobjekte ermittelte JLL gemäß VICTOR eine Quartalsperformance von +3,2% und eine Jahresperformance von +10,0%. Die Spitzenrenditen liegen in den BIG 5 mittlerweile deutlich unter der Marke von 3%.

Der vdp-Immobilienpreisindex zeigte für 2019 einen Anstieg der Kapitalwerte um +6,3%. Wohnen (+6,4%) und Gewerbe (+6,0%) lagen diesmal ungefähr gleichauf. Allerdings entwickelten sich innerhalb des gewerblichen Segments Büroimmobilien (+8,9%) und Einzelhandelsobjekte (-0,2%) weiter unterschiedlich.

Über eine schwächere Konjunktur kann der Coronavirus die Immobilienpreise tatsächlich beeinflussen, wenn diese ökonomische Schwächung denn als nachhaltig angesehen wird. Bisher standen vor allem die Niedrigzinsen als Rally-Auslöser und damit umgekehrt auch als Risikofaktor im Mittelpunkt, also ein Bewertungseffekt. Eine konjunkturelle Eintrübung wirkt sich hingegen auf die effektiven Mieteinnahmen aus (über Mietsatz, Leerstand und Wachstumserwartung), über die weniger diskutiert werden kann als über Verzinsungsansprüche. Allerdings sind die entsprechenden Entwicklungen und Mechanismen relativ träge – gewerbliche Mietverträge haben eben eine gewisse Laufzeit.

Hoffen wir aber nicht nur deshalb, sondern vor allem angesichts des primären Auswirkungen auf die menschlicher Gesundheit, dass der Coronavirus schnell überwunden werden kann.