Leo Cremer

Immobilien. Finanzierung. Management.

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Monat: Dezember 2017

Zeitreihen zum Immobilienmarkt – nur ein paar Klicks entfernt

Mittlerweile gibt es einige Indices, die den Immobilienmarkt in Deutschland hinsichtlich Mieten und Preisen beschreiben – ganz anders als vor zehn Jahren noch. Grafiken zu den jüngsten Preissteigerungen sind in der Berichterstattung allgegenwärtig. Um selbst mit den Zeitreihen zu arbeiten, werden jedoch die Datenreihen benötigt.

Drei Online-Quellen bieten gleich mehrere relevante Zeitreihen:

  • Deutsche Bundesbank: In der Zeitreihen-Datenbank finden sich alle Datenreihen, die in die beiden Indikatorsysteme für Wohnimmobilien und – seit November neu – Gewerbeimmobilien eingehen. Dort gibt es ebenso historische Zinssätze, Kreditbestände und volkswirtschaftliche Basisdaten wie die Inflationsrate und den DAX. Die Daten liegen mindestens jährlich, teilweise auch quartalsweise oder monatlich vor.
  • Statistisches Bundesamt: Zeitreihen nach eigenen Vorgaben für z.B. Zeilen und Spalten liefert GENESIS-Online. Hier gibt es etwa den Häuserpreisindex, Statistiken zu den Kauffällen, detaillierte Inflationsdaten einschließlich Mieten sowie Zahlen zur Bautätigkeit mit Kosten, Genehmigungen und Fertigstellungen.
  • Europäische Zentralbank: Europaweite und internationale Daten liefert das Statistical Data Warehouse. Wie die Bundesbank beobachtet die EZB aufgrund ihres Auftrags zur makroprudentiellen Aufsicht den Wohn- und Gewerbeimmobilienmarkt und veröffentlich hierzu Datenreihen.

Weitere Indexanbieter geben die Basisdaten zu ihren eigenen Indices an, insbesondere:

Für andere Indices sind leider nur die aktuellen Zahlen in Pressemitteilungen offengelegt – dort ist also Sammeln oder Kaufen angesagt.

Monthlitor November 2017

Die Immobilienindices des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) für Q3/2017 zeigen weiterhin stark steigende Immobilienpreise in Deutschland. Beim Vergleich mit dem Vorjahresquartal sind Büroimmobilien mit +9,5% und Mehrfamilienhäuser mit +9,2% die Spitzenreiter. Bei Mehrfamilienhäusern steigt sogar die Steigerungsrate, d.h. das Preiswachstum nimmt seit ca. zehn Jahren aus dem negativen Bereich kommend zu:

Gleichzeitig steigen zwar auch die Wohnungsmieten, ihre Wachstumsrate sinkt jedoch seit ein paar Jahren leicht:

In ihrem Finanzstabilitätsbericht 2017 stellt die Deutsche Bundesbank dar, dass die Wohnimmobilienpreise in den 127 größten deutschen Städten 2016 um 15% bis 30% über dem fundamental begründbaren Wert lagen. Im letztjährigen Finanzstabilitätsbericht wurde für 2015 ebenfalls eine Preisübertreibung gesehen, allerdings geringer bei 10% bis 20%. Risiken für die Finanzstabilität sind aus einem Preiseinbruch nicht auszuschließen. Da der Preisanstieg nicht mit einer deutlichen Kreditausweitung einher ging, dürfte ein Rückgang die Kreditgeber eher weniger treffen.

Die Bundesbank hat ihr bestehendes Indikatorsystem für den Wohnimmobilienmarkt im November um ein neues Indikatorsystem für den Gewerbeimmobilienmarkt ergänzt. Die Preise und Mieten von Büros, Lagerhallen und Co. stehen seltener im öffentlichen Fokus als jene von Wohnungen; ein systemisches Risiko besteht grundsätzlich auch hieraus. Der aktuelle Finanzstabilitätsbericht attestiert jedoch, dass von Gewerbeimmobilien aktuell keine besondere Gefahr für das Finanzsystem ausgeht.

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