Covered Bonds, also besicherte Schuld­ver­schreibungen wie Pfand­briefe, bieten dem Investor eine höhere Sicher­heit als allgemeine Bank­anleihen. So sollte es jedenfalls sein – der Begriff des Covered Bonds ist im Gegen­satz zum Begriff Pfand­brief allerdings nicht geschützt, so dass eine Analyse der konkreten Anleihe bzw. ihres gesetzlichen Rahmens notwendig ist.

Besondere Bedeutung erhält eine solche Abgrenzung, wenn Covered Bonds eine regulatorische Privile­gierung erfahren: als zulässig für den Liqui­ditäts­puffer, mit reduzierter Kapital­unter­legung. Ebenso ergibt sich eine Ab­grenzungs­not­wendig­keit, wenn sie Gegen­stand des Ankaufs­pro­gramms der Europä­ischen Zentral­bank sind (CBPP3 = Third Covered Bond Purchase Programme).

Mit der Frage, was einen Covered Bonds ausmacht, beschäftigt sich daher ins­besondere die European Banking Authority (EBA). Diese hatte 2014 eine erste Ein­grenzung im Sinne einer Best Practice-Auflistung veröffentlicht. Kurz vor Jahres­ende kam nun ein neuer ausführlicher Covered Bond-Bericht der EBA heraus.

Die EBA konstatiert, dass ihre seiner­zeitigen Empfehlungen nur in einigen EU-Mitglieds­staaten (z.B. in Deutsch­land) aufge­griffen wurden, insgesamt jedoch weiter eine große rechtliche Viel­falt vorliege. Dies betreffe vor allem den Liqui­ditäts­puffer, die Stress­tests zum Ermitteln der Über­deckung, das Aufsichts­system und die Transparenz­angaben.

Um die aufsichtliche Privilegierung auf eine faire Basis zu stellen, schlägt die EBA vor, den Begriff „Covered Bond“ nur noch für Anleihen zuzulassen, die gewisse Anfor­derungen erfüllen. Dies ließe jedem Mitglieds­staat abweichende gesetz­liche Regelungen offen. Erfolgen soll dies nach EBA-Vorstellung in drei Schritten:

  1. Festlegen von Minimal­standards für Anleihen, die Covered Bonds heißen, im Rahmen einer neuen EU-Richtlinie (Covered Bond Directive); diese Defini­tionen können dann als einheit­licher Referenz­punkt für alle Privi­legie­rungen enthaltenen Regel­werke dienen
  2. Anpassen der Kapital­adäquanz­ver­ordnung (CRR = Capital Requirements Regulation), insbesondere hinsicht­lich Ersatz­deckungs­werten und Über­deckungs­an­forderung; eine Ausweitung der als Deckungs­werte zuläs­sigen Asset­klassen wird aktuell explizit nicht gefordert, d.h. Schiffs- und Flug­zeug­pfandb­riefe würden weiter nicht privile­giert
  3. Konvergenz der nationalen Covered Bond-Gesetz­gebungen auf frei­williger Basis; dies bezieht sich auf die eher technischen Aspekte wie LTV-Messung und Zulässig­keit von Deckungs­werten in Ländern außerhalb der EU

Auf der Covered Bonds Market Conference von afme/vdp am 2. Dezember in Berlin zeigte sich, dass auch Investoren eine solche Harmoni­sierung begrüßen würden. Zu Recht wurde jedoch darauf hingewiesen, dass eine Begriffs­definition keine Einzel­analyse ersetzen kann. Das EBA-Konzept grenzt das Covered Bond-Spektrum zwar ein, lässt jedoch weiterhin viele Unter­scheide zu.

Der EBA-Vorschlag gibt so zwar Spiel­raum, ist in den Kern­forderungen jedoch hart, d.h. es wurde nicht nur der kleinste gemein­same Nenner wieder­gegeben. In der vor­liegenden Form wäre somit eine klare und faire Abgren­zung von solchen Bank­anleihen möglich, die durch zusätzliche Schutz­maß­nahmen tatsäch­lich einen höhere Sicher­heit bieten. Alles in allem sieht dies nach einem richtigen Schritt hin zu einem integrierten europä­ischen Kapital­markt aus.