Finanzstabilitätsbericht 2016

Von den aktuellen Entwicklungen auf dem deutschen Immobilienmarkt geht insgesamt keine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems aus. Dies stellt der jetzt veröffentlichte Finanz­stabilitäts­bericht 2016 der Deutschen Bundesbank fest.

Der Preisanstieg bei Wohnimmobilien von +4,5% im Jahr 2015 wird als bemerkenswert angesehen. Passenderweise erschien taggleich das Macroeconomic Imbalance Procedure Scoreboard von Eurostat: Dort wird für 2015 ein inflationsbereinigter(!) Hauspreis­anstieg von +4,1% ermittelt, bei einer kritischen Grenze von 6,0%. Deutschland war demnach  nur im oberen Mittelfeld der europäischen Entwicklung.

Nun sind dies relative Veränderungen, und von einem niedrigen Niveau sollten Preise ohne Gefahren­potenzial steigen können. Diese absolute Betrachtung nimmt die Bundesbank ebenfalls vor: Im Ergebnis attestiert sie für die deutschen Städte 2015 eine Überbewertung von 10% bis 20%.

Verglichen wird dieser Preisanstieg zudem mit der Entwicklung des Baufinanzierungs­volumens auf Bankbilanzen. Die Bundesbank kommt zum Ergebnis, dass das Kreditvolumen (mit unter +4% in den letzten Jahren) weniger stark stieg als die Preise. Ebenso ist keine Reduktion der Kreditstandards zu beobachten. Hierzu liegen jedoch nur qualitative Erhebungsdaten vor. Zudem sind bankfremde Finanzierer in der Statistik außen vor.

Unter Abwägung aller Aspekte kommt der Finanz­stabilitäts­bericht 2016 zum Schluss:

Insgesamt zeigen die Indikatoren, dass derzeit keine unmittelbaren Gefahren für die Finanz­stabilität durch Entwicklungen am deutschen Wohn­immobilien­markt bestehen.

Hinsichtlich der Finanzierung von Immobilien wird zunehmend eine langfristige Kredit­vergabe beobachtet: Der Anteil von Zins­bindungs­dauern über 10 Jahre ist von ca. 30% Anfang des Jahrzehnts auf nun ca. 45% gestiegen. Einerseits dürfte dies gemäß Bericht das Kreditrisiko auf Sicht im Zaume halten. Andererseits bedeutet dies ein zunehmendes Zins­änderungs­risiko für Banken. Denn relativ dazu sind die mittleren Laufzeiten der Refinanzierungs­mittel nur leicht angestiegen.

Festgemacht wird dies unter anderem am allgemein gestiegenen Zins­risiko­koeffizienten. Hier spielen allerdings viele Aspekte rund um die niedrigen Zinsen hinein: Die Suche der Investoren nach Rendite außerhalb des Bankensektors etwa und Effekte auf Ebene der Kennzahl selbst.

Es ist bemerkenswert, dass den Lebens­versicherern im diesjährigen Finanz­stabilitäts­bericht genau das Gegenteil beschieden wird: Die Fristen­trans­formation nimmt ebenfalls – jedoch mit genau umgekehrten Vorzeichen.

Langlaufende Hypotheken­pfand­briefe sind das klassische Instrument, um Banken und Versicherer in diesem Punkt beidseitig vorteilhaft zusammenzubringen. Tatsächlich jedoch ist die EZB seit einiger Zeit der Haupt­abnehmer von Pfandbriefen. Vielleicht steht der nächste Finanz­stabilitäts­bericht diesbezüglich ja unter einem anderen Stern.